Story Engines
Dramaturgische Motoren bringen die Story in Bewegung, etwa durch Druck, Konsequenz, Erwartung oder Entscheidung.
COUNTDOWN
Eine Frist läuft. Etwas muss geschehen, bevor ein bestimmter Zeitpunkt erreicht ist.
Fragen
- Was muss vorher geschehen?
- Was passiert, wenn es nicht gelingt?
- Wodurch wird die verbleibende Zeit spürbar?
Zum Beispiel
- ein wiederkehrendes Geräusch wird dringlicher
- Licht oder Tageszeit verändern sich
- Wege, Zeit oder Möglichkeiten werden sichtbar knapper
DILEMMA
Eine Entscheidung lässt sich nicht vermeiden. Jede Möglichkeit kostet etwas.
Fragen
- Was kostet Möglichkeit A?
- Was kostet Möglichkeit B?
- Warum lässt sich die Entscheidung nicht einfach umgehen?
Zum Beispiel
- zwei mögliche Wege werden gegeneinander montiert
- Bild und Ton bewerten dieselbe Situation unterschiedlich
- dieselbe Entscheidung wird mit zwei möglichen Folgen angedeutet
AUSSER KONTROLLE
Etwas setzt eine Kette von Folgen in Gang. Jeder neue Schritt verändert oder verschärft die Situation.
Fragen
- Was löst die Kette aus?
- Welche Folge erzeugt die nächste?
- Wann gibt es kein einfaches Zurück mehr?
Zum Beispiel
- Wiederholung mit immer stärkerer Variation
- Tempo, Geräuschdichte oder Bildausschnitte steigern sich
- jede Folge löst unmittelbar die nächste aus
DIE REGEL
Eine Regel begrenzt, was möglich oder erlaubt ist. Druck entsteht, wenn sie eingehalten werden muss oder nicht eingehalten werden kann.
Fragen
- Wie lautet die Regel ganz konkret?
- Wer oder was sorgt dafür, dass sie gilt?
- Was verändert sich, wenn sie gebrochen wird?
Zum Beispiel
- ein klares Bild- oder Tonmuster etabliert die Regel
- eine kleine Abweichung macht den Regelbruch sichtbar
- Wiederholung zeigt zunächst, was „normal“ ist
DER PREIS
Das Ziel ist erreichbar, aber Erfolg kostet etwas.
Fragen
- Was kostet der Erfolg?
- Wann wird dieser Preis sichtbar?
- Ist das Ziel diesen Preis am Ende noch wert?
Zum Beispiel
- etwas Vertrautes fehlt plötzlich
- ein wiederkehrendes Motiv verändert sich
- Erfolg und Verlust stehen gleichzeitig nebeneinander
DAS GEHEIMNIS
Nicht alle wissen dasselbe. Spannung entsteht daraus, wer was weiß und wann sich das ändert.
Fragen
- Was weiß das Publikum?
- Was wissen die Beteiligten?
- Was verändert sich, wenn die Information bekannt wird?
Zum Beispiel
- der Ton verrät mehr als das Bild
- das Publikum weiß mehr als eine Person in der Story
- ein Ausschnitt oder eine Montage hält Information gezielt zurück
EIGENER MOTOR
Was hält diese Story in Bewegung?
Fragen
- Welche neuen Story-Momente entstehen aus diesem Prinzip?
- Warum bleibt die Situation nicht einfach stehen?
- Wie lässt sich der Motor in einem Satz erklären?
Zum Beispiel
- eine wiederkehrende Frage treibt jede neue Szene an
- jede Handlung erzeugt eine neue Folge
- ein eigenes Bild-Ton-Prinzip bestimmt, wie die Story weitergeht
Story Lab
Was verändert eine Idee oder öffnet eine neue Richtung? Diese Impulse helfen, Situationen, Perspektiven und mögliche Entwicklungen neu zu betrachten.
WHAT IF …?
Verändern Sie genau eine Annahme und verfolgen Sie ernsthaft, was daraus folgt.
Fragen
- Was wäre, wenn genau dieser eine Umstand anders wäre?
- Welche erste Konsequenz hätte das?
- Welche zweite Konsequenz entsteht daraus?
Zum Beispiel
- eine vertraute Situation folgt plötzlich einer anderen Regel
- nur eine Person nimmt ein bestimmtes Geräusch wahr
- ein alltägliches Objekt verhält sich anders als erwartet
MOMENT OF CHANGE
Finden Sie den Moment, nach dem etwas nicht mehr ganz so ist wie vorher.
Fragen
- Was verändert sich?
- Woran merkt man den Unterschied zwischen vorher und nachher?
- Wie klein darf die Veränderung sein und trotzdem Bedeutung haben?
Zum Beispiel
- ein Motiv erscheint vor und nach der Veränderung anders
- ein Geräusch oder eine Atmosphäre kippt
- eine kleine Geste verändert die Bedeutung einer Situation
THREAT OF CHANGE
Etwas könnte sich verändern, obwohl es noch nicht passiert ist.
Fragen
- Was droht oder kündigt sich an?
- Wer nimmt die Veränderung bereits wahr, wer nicht?
- Was macht die Erwartung interessanter als das Ereignis selbst?
Zum Beispiel
- ein Offscreen-Geräusch kündigt etwas an
- ein wiederkehrender Hinweis wird zunehmend auffällig
- eine Leerstelle oder Abwesenheit erzeugt Erwartung
WELTBILD UNTER DRUCK
Eine Überzeugung, die bisher funktioniert hat, gerät durch die Situation ins Wanken.
Fragen
- Was glaubt jemand über sich oder die Welt?
- Warum war diese Überzeugung bisher nützlich?
- Welche Situation macht sie plötzlich problematisch?
Zum Beispiel
- eine Person handelt konsequent nach ihrer Überzeugung
- Bild oder Ton widersprechen ihrer Selbstwahrnehmung
- eine andere Perspektive macht den Widerspruch sichtbar
PERFECT MISMATCH
Wer oder was passt besonders schlecht zu genau dieser Situation?
Fragen
- Welche Person wäre hier maximal fehl am Platz?
- Welche Situation trifft einen wunden Punkt besonders genau?
- Was wird dadurch sichtbar, das sonst verborgen bliebe?
Zum Beispiel
- eine Person befindet sich in einem völlig unpassenden Umfeld
- eine Stärke wird in genau dieser Situation zum Problem
- Bild, Raum oder Ton zeigen, wie wenig Person und Situation zusammenpassen
WOLLEN & BRAUCHEN
Was wird bewusst verfolgt und was könnte eigentlich fehlen?
Fragen
- Was will die Person konkret erreichen?
- Was könnte sie brauchen, ohne es selbst zu wissen?
- Was passiert, wenn Wollen und Brauchen auseinanderlaufen?
Zum Beispiel
- die Handlung folgt einem klaren Ziel, während etwas anderes fehlt
- ein wiederkehrendes Motiv deutet auf ein tieferes Bedürfnis
- das Ziel wird vielleicht verfehlt, aber ein eigentliches Bedürfnis wird sichtbar
WARUM REAGIERT JEMAND SO?
Welche frühere Erfahrung könnte erklären, warum jemand heute so reagiert?
Fragen
- Welche frühere Erfahrung wirkt noch nach?
- Wie prägt sie heutige Entscheidungen?
- Was davon muss das Publikum überhaupt wissen?
Zum Beispiel
- ein Gegenstand, Foto oder Geräusch wird zur Spur
- eine Reaktion wiederholt ein bekanntes Muster
- Vergangenheit wird nur angedeutet statt erklärt
PERSPEKTIVWECHSEL
Erzählen Sie dieselbe Situation aus einer anderen Perspektive oder mit anderem Wissen.
Fragen
- Wer sieht oder hört etwas anderes?
- Welche Information bekommt durch den Wechsel eine andere Bedeutung?
- Was bleibt außerhalb dieser Perspektive?
Zum Beispiel
- dieselbe Situation erscheint zweimal aus anderer Sicht
- die Tonperspektive wechselt, obwohl das Bild ähnlich bleibt
- unterschiedliche Ausschnitte geben verschieden viel Information preis
ANDERE TÜR
Beginnen Sie nicht bei einer klassischen Hauptfigur. Ein Ort, ein Objekt, eine Beziehung, eine Regel, eine Sammlung von Momenten oder ein Geräusch kann die Story tragen.
Fragen
- Was verändert sich an diesem Ort, Objekt oder Verhältnis?
- Welche Spuren oder Beziehungen halten die Momente zusammen?
- Was wäre interessant, wenn niemand „Held“ sein muss?
Zum Beispiel
- ein Ort wird zum eigentlichen Träger der Story
- ein Objekt verbindet verschiedene Menschen oder Momente
- ein Geräusch oder wiederkehrendes Motiv hält die Erzählung zusammen
Story Shapes
Wie kann die Story eine Form bekommen? Diese Impulse helfen dabei, vorhandenes Material zu ordnen, ohne eine einzige richtige Struktur vorzugeben.
STORY ARC
Start → Veränderung → Danach.
Fragen
- Wo starten wir?
- Was löst die Veränderung aus?
- Was ist danach anders?
Zum Beispiel
- ein klarer Vorher-Nachher-Kontrast
- eine einzelne Wendung verändert die Richtung
- ein visuelles oder akustisches Motiv verändert sich mit der Story
DREI TEILE
Setup → Konfrontation → Auflösung.
Fragen
- Was wird am Anfang etabliert?
- Was bringt die Situation unter Druck?
- Wo landet die Story?
Zum Beispiel
- erst etablieren, dann stören, schließlich eine Konsequenz zeigen
- drei deutlich unterschiedliche Zustände derselben Situation
- ein Motiv kehrt in jedem Teil verändert zurück
AUFBRUCH & RÜCKKEHR
Verlassen → Erproben → Zurückkehren.
Fragen
- Was wird verlassen?
- Was geschieht außerhalb des Vertrauten?
- Was kehrt verändert zurück? Oder ist eine Rückkehr gar nicht mehr möglich?
Zum Beispiel
- eine räumliche Reise und Rückkehr
- ein sozialer oder emotionaler Aufbruch ohne Ortswechsel
- die Rückkehr zeigt, was sich verändert hat
SPANNUNGSBOGEN
Aufbau → Zuspitzung → Wendepunkt → Konsequenz.
Fragen
- Was wird zunächst aufgebaut?
- Wodurch verdichtet sich die Situation?
- Wo kippt sie?
- Welche Konsequenz folgt daraus?
Zum Beispiel
- Bilddauer oder Schnitttempo verdichten sich
- Ton und Atmosphäre bauen Druck auf
- nach der Zuspitzung folgt bewusst ein Bruch oder eine Entspannung
EIGENE FORM
Wenn die Story bereits trägt, muss sie keinem bekannten Shape entsprechen.
Fragen
- Welche Ordnung passt zu Ihrem Material?
- Was muss das Publikum wann verstehen oder fühlen?
- Welche Struktur entsteht aus Ihrem eigenen Bild-Ton-Prinzip?
Zum Beispiel
- eine Schleife oder Wiederholung mit Variation
- eine assoziative Folge statt klassischer Handlung
- eine rhythmische Montage oder ein eigenes Bild-Ton-Muster
